Wenn es um Milch geht, sehen viele gestandene Männer schwarz. Geht es um den Milchpreis, dann sehen viele Landwirte gar nichts mehr. Denn seit mindestens vierzig Jahren ist der Milchpreis vor allem eines: er ist zu tief. Trotz global steigender Nachfrage, und einem Angebot, das immer stärker diversifiziert wurde. Gleichzeitig sind auch die Produktionsstrukturen stark verbessert worden. Die Bauern nutzen zu guten Teilen Skaleneffekte und können heute Milch so professionell und effizient herstellen, wie noch nie in der Geschichte
Auch die Verarbeiter haben das ihre dazu beigetragen, dass heute aus Milch eine Vielzahl von Produkten hergestellt wird. Im Laden findet man längst nicht einfach nur Käse oder Vollmilch mehr, nein. Man findet Emmentaler, Gruyère, Tilsiter, Scharfer Max, Mozzarella in allen Formen, Brie und Roquefort. Chällerhocker, Belperknolle, Jersey Blue, und viele andere Käsenamen mehr. Auch Milch ist längst nicht einfach nur Milch. Es gibt UHT-Milch, Pastmilch, Vollmilch, Milchdrink, Kondensmilch und Milchpulver. Es gibt Vitaminmilch, Milch, die noch mit Kalzium angereichert wurde. Es gibt Milchdrinks, Schokomilch, Caffee Latte, proteinangereicherte Milch, und so weiter.
Von dieser Diversifizierung profitieren die Konsumenten. Jedes Bedürfnis wird mit einem eigenen Produkt mehr oder weniger abgedeckt. Es gibt so quasi keinen stichhaltigen Grund, keine Milchprodukte zu kaufen. Für die Landwirte aber hat sich in der Zwischenzeit fast nichts geändert. Sie stellen nach wie vor Kuhmilch her, die einen Fettgehalt von ungefähr 3,5 – 4,5% hat, gut 3% Eiweiss und eine ganze Palette von Mineralstoffen enthält.
Gleichzeitig ist der Preis in den letzten Jahren stark unter Druck gekommen. Das hat verschiedene Gründe: Erstens wurden die Märkte verhältnismässig stark liberalisiert; war noch vor gut zehn Jahren die staatliche Mengensteuerung die Regel, gibt es diese heute nicht mehr. Zweitens ist gerade im Käsemarkt der Anteil der Exporte stark gestiegen. Damit ist auch der Milchpreis in der Schweiz stärker den internationalen Preisschwankungen ausgesetzt. Und zu guter letzt herrscht auf dem globalen Milchmarkt derzeit ein anständiger Angebotsüberhang, es hat schlicht zu viel Milch auf dem Markt. Alles zusammen hat den Preisdruck in den letzten zwölf Monaten noch verstärkt (siehe dazu auch die Grafik unten)
Viel schwerer als die aktuelle Marktsituation wiegt aber, dass die Milchbauern gar nicht mehr nachvollziehen können, was alles aus ihrem Rohstoff, der Milch, hergestellt wird. Stattdessen wird die Milch über ihren Preis definiert, nicht über den Produktwert. Kein Wunder, sehen gestandene Schweizer Milchbauern schwarz, wenn sie für ihr Produkt zwar im internationalen Vergleich einen guten Preis erzielen, aber gleichzeitig das Gefühl haben, dass der Produktwert gar nicht richtig geschätzt wird.
Es ist an der Zeit, dass wir jeden Tag unseren Bauern Danke sagen, dass sie uns ernähren, oder es wenigstens versuchen. Denn nur über den Preis – und sei er noch so hoch – kann der Wert der Nahrungsmittel nicht definiert werden. Und so kann auch der höchste Preis einen Landwirten nicht zufriedenstellen. Auch wenn es sich mit mehr Geld in der Kasse natürlich etwas leichter lebt…

Grafik_Milchpreis_SRFBildquelle: SRF

Ein Kommentar zu „Warum der Milchpreis immer zu tief ist.

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