Landwirtschaft, das ist doch nichts für Junge. Gerade im wirtschaftlichen Zentrum von Tansania, Dar es Salaam, ist dieses uns Westeuropäern so vertraute Klischee auch sehr präsent. Landwirtschaft, das ist, was die Eltern gemacht haben. Und niemand scheint so enden zu wollen, wie seine Eltern. Und Landwirtschaft, das ist bestimmt kein Sektor der eine valable Perspektive aufzeigen könnte noch Zukunft hat. Auch Adrian sah das so. Der Politologiestudent aus Dar es Salaam wollte nichts wissen von Landwirtschaft und Agribusiness. Aber jetzt ist alles anders. „I want to become an agribusinessman“, sagt er mit einem Lachen auf seinem hageren Gesicht.
„Wir lernten, wie man Cassava, Mais, Tomaten und Soja anbaut. Wir haben auch gelernt, dass man verschiedene Faktoren berücksichtigen muss, wenn man als Geschäftsmann in der Landwirtschaft bestehen will“
Seine Augen leuchten, als er zu erzählen beginnt, warum er seine Ansicht geändert hat. Alles beginnt mit dem Agripreneur-Programm von IITA. IITA steht für International Institute for Tropical Agriculture und ist ein wichtiges Forschungszentrum für Subsahara-Afrika. Das Youth Agripreneur Programme läuft in Tansania seit zwei Jahren. Das Ziel ist ambitioniert: Junge Menschen sollen die Chancen der Landwirtschaft erkennen können (dazu wird es bald noch mehr geben).
Adrian fügt mit einem grinsen an, dass man als Teilnehmer so etwas wie eine Gehirnwäsche erhalte. Statt Staatspolitische Mechanismen zu büffeln, hat der Tansanier in den letzten Monaten verschiedene Trainings absolviert und mehr über die Landwirtschaft gelernt. „Wir lernten, wie man Cassava, Mais, Tomaten und Soja anbaut. Wir haben auch gelernt, dass man verschiedene Faktoren berücksichtigen muss, wenn man als Geschäftsmann in der Landwirtschaft bestehen will“, sagt er heute.
So kommt es, dass er nun in einem Treibhaus zwischen Tomatenstauden steht statt sich über die Bücher an der Universität beugt. Problemlos erklärt er den Besuchern die Zusammenhänge zwischen der Temperatur im Treibhaus, den Farben der Blätter und des Ertrags der Pflanzen. Er fährt fort, erklärt, dass mit einer Tröpfchenbewässerung die Wasserversorgung und mit regelmässiger Düngung die Nährstoffversorgung aufrechterhalten wird. Das alleine ist aber noch nicht alles. „Es geht auch um Marketing“, findet Adrian. Es geht nicht nur darum, einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen, sondern auch, die Ernte bestmöglich zu vermarkten.
Aus Cassava stellt die Gruppe ein weisses Mehl her. Die Tomaten werden noch frisch verkauft. Der Mais wird in kleinen Metallsilos gelagert und dann verkauft, wenn die Preise etwas höher sind. Aus den Sojabohnen machen die Studenten Sojamilch. „Es geht nicht nur darum, dass wir einen Markt finden, sondern es geht auch darum, wie wir unser Produkt möglichst gut verkaufen können.“ Dazu gehört auch die Verarbeitung der Ernte. „Wir haben gelernt, dass wir die Fähigkeit haben müssen, unsere Produkte zu verarbeiten oder zu lagern. Nur dann können wir von den steigenden Preisen ausserhalb der Erntesaison profitieren“, fasst Adrian zusammen.
Das Programm hinterlässt dann auch bei den jungen Menschen Spuren. „The programme completely switched my mind“, sagt er. Zwar möchte er sein Politologiestudium abschliessen, danach aber möchte er Agribusinessman werden. Auch seine Kollegen sehen das so. „Landwirtschaft bietet so viele Alternativen. Und sie hat Zukunft“, pflichtet ihm eine junge Frau bei, die ebenfalls im Programm mitmacht. Sie beide sind stolz darauf, etwas mehr zu können. Mehr zu wissen. „Es macht mich stolz zu wissen, wie man Cassava zu Mehl verarbeitet“, ergänzt ein Teammitglied.
Lieber Hansjürg
vielen Dank für die Interessanten Berichte und wir warten auf weitere tolle Geschichten. Einen schönen Sonntag wünschen Dir und bis bald
Peter & Beatrix