Majestätisch erheben sich die Berge von Uluguru gen Himmel. Und das, obwohl die höchsten Gipfel gerade 2600 Meter über Meer liegen. Einst waren die Hänge mit dichtem Wald und Gebüsch bewachsen, doch die Landschaft verändert sich rasant. Einerseits, weil immer mehr Häuser an den Hängen gebaut werden, andererseits weil immer mehr Bauern in den steilen Hängen der tansanischen Natur Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Mais, Bohnen, Passionsfrüchte, Bananen, Mangos und Avocados abtrotzen.

2016_uluguru_mountains_9Anbaubedingt bleibt ein wesentlicher Teil der Erde unbedeckt. Erosion durch Wind und Wasser ist dadurch ein grosses Problem. Manchmal fällt das Gelände hangabwärts neben dem Fussweg um bis zu einem Meter senkrecht, bevor das Feld beginnt. Terrassierte Felder sind die Ausnahme, wobei immerhin quer zur Falllinie die Pflanzen angebaut werden.

Die Fusswege zu den Feldern sind steil, schmal und manchmal erst auf den zweiten Blick zu sehen. Für die Bauern hier oben scheint das aber kein Problem zu sein. Die meisten laufen entweder Barfuss oder mit einfachen Sandalen bergauf und bergab. Ihre Ernte – im weissen Tuch befinden sich Schalen mit verschiedenen Beeren – tragen sie auf dem Kopf oder den Schultern.

2016_uluguru_mountains_6Die Beeren werden am Nachmittag gepflückt und in der Regel über Nacht zwischengelagert. Am nächsten Morgen bringen sie die Bauern zum Busterminal in Morogoro. Mit den ersten Reisebussen und Lastwagen werden die Beeren dann nach Dar Es Salaam oder in andere Städte gefahren.

Salum ist 29 Jahre alt und einer der Bauern. Er bewirtschaftet ein Acre, (0,407 Hektare bzw. 4046 Quadratmeter) Land und baut dort nur Erdbeeren an. Die Früchte verkauft er für 5000 Tansanische Schilling pro Schale (ca. 2.40 CHF) an die Händler in Dar Es Salaam.

2016_uluguru_mountains_2„Wenn ich Beeren in die Stadt verkaufen kann, stehe ich am Morgen um 3:00 auf.“ Er zieht sich an, packt die Beeren in eine grosse Styroporbox. Er setzt sich seine Stirnlampe auf und transportiert die grosse Box mit 40 bis 80 Schalen auf dem Kopf zuerst ein gutes Stück über Stock und Stein den Berg hinunter. Dort wo der Weg etwas besser wird, erwartet ihn Hamadi mit dem Motorrad. Während Hamadi talwärts fährt, hält Salum auf dem Rücksitz sitzend die Styroporbox und sich selbst fest. Anderthalb Stunden und 1200 Höhenmeter später erreicht das Duo den Busterminal. Dort schreibt er die Box mit Name und Nummer des Empfängers in Dar Es Salaam an, bezahlt 5000 Schilling für den Transport und gibt die Box dem ersten Reisebus mit.

Danach geht es wieder den Berg hoch, gegen halb sieben ist er meistens wieder zurück in seinem Haus, der bekannten und bei Wanderern beliebten „Morningside.“

2016_uluguru_mountains_4Das Haus, gebaut von einem Arzt 1911, ist in einem miserablen Zustand. Fliessendes Wasser gibt es am Bach hundert Meter hinter dem Haus. Ein Plumsklo ausserhalb des Gebäudes wird der einst installierten Toilette vorgezogen. Eine einfache Feuerstelle und ein Holzkohleofen dienen als Kochstellen für Wasser, Reis, Ugali und Gemüse. Das Geschirr liegt am Boden und auf den drei Plastictischen im Raum, hin und wieder flieht eine Ratte entlang der Wände vor den im Raum anwesenden Menschen.

2016_uluguru_mountains_5Das Haus gehört der Sokoine University of Agriculture (SUA), der bekanntesten Institution für Landwirtschaft im Land. Salum ist für die SUA angestellt und soll die umliegenden Felder für die Studierenden bereithalten, die hier oben hin und wieder Anbauversuche durchführen. Daneben hegt er sein eigenes Feld und seinen Traum, dereinst ein erfolgreicher Beerenproduzent und -Händler werden zu können. Gerade die Erdbeere hat es ihm dabei angetan. „Erdbeeren wachsen hier oben bestens. Es ist nicht zu heiss, nicht zu kalt, und auch Wasser ist insgesamt immer verfügbar“ sagt er während dem Frühstück. „Nur der Markt ist eine grosse Herausforderung.“ Einerseits fehle ein sicherer und gut organisierter Marktzugang. Andererseits fehlen im Marktinformationen, die die Händler haben. Ihm bleibt so fast nichts anderes übrig, als den angebotenen Preisen zuzustimmen. Deshalb hat er begonnen, auch selbst nach Dar Es Salaam zu fahren und dort die Früchte zu verkaufen.

Daneben muss er seine Beeren vor Käfern und Raupen schützen, die nur zu gerne von den reifen Früchten naschen. Deshalb aber auf Agrochemie zu setzen, kommt für Salum aus zwei Gründen nicht in Frage: Einerseits sind die Kosten höher, andererseits führe der Chemieeinsatz dazu, dass man mit der Ernte warten müsse.Beides Faktoren, die ihm das Einkommen schmälern. „Das beste am Beerenanbau ist, dass ich jede Woche etwas Geld einnehmen kann“, sagt er.

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