Der Milchpreis hält derzeit Bauernpolitiker, Journalisten, Molkereien und ein paar Bauern auf Trab. Das tut der Milchpreis eigentlich immer wieder. Denn meistens wird moniert, er sei zu tief. Zu tief, um die Kosten zu decken. Zu tief, um ein anständiges Einkommen zu erwirtschaften.
Am 30. Juni hat 10vor10 das Thema wieder einmal aufgegriffen. Das Fazit: Landwirte sollen Kosten senken oder Nischen im Milchmarkt suchen. Beides sind erprobte und geprüfte Strategien. In beiden Ausrichtungen gibt es erfolgreiche Bauern.
Wie so oft, bei solchen Beiträgen, fehlt jedoch das andere Ende der Kette. Die Konsumentinnen und Konsumenten. Diejenigen, die in der Schweiz jeden Tag millionenfach Kaufentscheide fällen. Diejenigen, die der Händler Kassen klingeln lassen.
Was sollen die machen? Welche Verantwortung trägt der Konsument heute? Wie trägt er diese? Ganz elegant, indem er Gucci und Prada H&M und C&A vorzieht?
Vielleicht helfen auch die folgenden fünf Vorschläge, das Leben der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten etwas zu vereinfachen. Nicht so elegant wie Gucci oder Prada zwar, aber immerhin praktischer.
- Kauft Milch. Und Käse. Und Joghurt. Und Butter. Und Schokolade. Mit Schweizer Milch drin. Macht damit was ganz Leckeres. Geniesst es, teilt es, feiert es. Und fangt wieder von vorne an. Das kann auch bei Migros und Coop sein.
- Und das führt uns gleich zu Punkt zwei: Beachtet die Herkunft. Denn nur wer Schweizer Milch kauft, hilft den Schweizer Bauern. Ausländische Milch ist auch ok, aber sie hilft halt nur dem Umsatz des Händlers und des ausländischen Bauern. Nicht dem Kollegen von nebenan.
- Und das führt uns zu Punkt drei: Wem das ganze mit der Herkunft und dem Detailhandel zu suspekt ist, soll sich einen anderen Kanal suchen. Die Alternativen gibt es. Manche Bauern machen es möglich, dass man direkt bei ihnen die Milch kaufen kann. Andere arbeiten Eng mit einer Käsereigenossenschaft oder einem Käser zusammen. Oder sie haben gleich selbst eine Hofkäserei und einen Hofladen (So wie der Biohof Zaugg, z.B.). Und dort kann man gut und gerne einkaufen.
- Was sicher auch nicht schaden kann: Migros und Coop auf die Finger schauen. Die beiden Riesen im Schweizer Detailhandel finden, dass sie schon den richtigen Preis für Schweizer Milch bezahlen. Das stimmt. Aber sowohl Migros als auch Coop kann nicht kontrollieren, was von den wohlmeinenden Absichten am Ende beim Bauer tatsächlich ankommt. Kurz: Nach vorne sind sie Saubermänner. Und nach hinten schauen sie nicht. Dort geht man davon aus, dass Handel und Verarbeitung schon richtig abrechnen werden. Deshalb kann es nicht schaden, von Zeit zu Zeit nachzufragen, wie es denn um die Produzentenmilchpreise stehe. Hier bei Coop. Und hier bei Migros.
- Geduld haben. Mit den Bauern. Denn längst nicht alle arbeiten defizitär. Längst nicht alle leiden gleich stark unter den tiefen Preisen. Bis da jeder Bauer für sich entschieden hat, wie er mit den tiefen Preisen umgehen will und kann, dauert es noch ein paar Jahre. Zuhören kann nie schaden. Und Geduld auch nicht.
Fehlt ein Aspekt? Diskutiert mit!