Heute ist Welternährungstag. Und zwar zum 39. Mal. Seit 1979 ist der 16. Oktober der Tag, an dem man über Hunger nachdenken soll. Hunger? Kenne ich nicht. Und Sie? Also nicht den Hunger am Vormittag, wenn man das Frühstück überhastet auslassen musste, sondern so richtig Hunger, weil man seit Wochen nicht mehr genug auf dem Teller hatte? Hunger ist für uns vor allem ein Haufen Zahlen. Und diese sind – je nach Optik – schlimm, unglaublich, skandalös, ein gutes Geschäft oder einfach eine traurige Tatsache, an der man nichts ändern kann. Geht es um Hunger in der Welt, sind wir vor allem Ignorant. Doch es besteht Hoffnung. Nicht was die Ignoranz anbetrifft. Sondern was den Hunger angeht. Denn während die Bevölkerung seit 1979 von knapp 4,5 Milliarden auf rund 7,5 Milliarden Menschen gewachsen ist, blieb die Zahl der Hungernden mehr oder weniger bei 700 – 900 Millionen konstant. Der Anteil der hungerleidenden Weltbevölkerung sinkt. Das sind gute Neuigkeiten. Relativ gesehen nimmt das Hungerleid ab. Das sind die guten Nachrichten. Sie geben Grund zur Hoffnung, zur Zuversicht.

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Die Weltlandwirtschaftsorganisation FAO präsentiert jedes Jahr die neusten Zahlen zum Welthunger.

Allerding wird die Hoffnung und die Zuversicht derzeit etwas getrübt. Das hat zwei Gründe: Die absolute Zahl der Hungernden ist seit 2014 wieder gestiegen, betrug 2016 wieder 815 Millionen Menschen. Ausserdem wütet im Horn von Afrika eine Hungerkrise, die als die grösste humanitäre Krise seit der Gründung der Uno 1945 beschrieben wird.

Das SRF-Magazin Kontext widmete sich im April 2017 in einem längeren Beitrag dem Thema Hunger am Horn von Afrika.

Schon wieder, könnte man meinen. Schon 2011 suchte eine Hungerkatastrophe die Region heim. Und jetzt also wieder. Die Menschen haben Hunger. Doch die Krise, die das Leben von 20 Millionen Menschen bedroht, sie findet in den hiesigen Medien kaum statt.

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Eigentlich wusste man schon vor einem Jahr, dass die Ernten auch in diesem Jahr ausbleiben werden. Zum dritten Mal in Folge. Denn der Regen blieb aus, und ohne Regen wächst nichts. Das ist eigentlich weder neu noch ungewöhnlich

Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich hier die Ignoranz so klar zeigt. Eine kalte, gleichgültige Ignoranz für andere. Warum unsere Aufmerksamkeit gleichzeitig immer auf jede Zuckung und jede Regung des grössten Präsidenten aller Zeiten mit den kleinsten Händen und dem höchsten IQ gelenkt wird, ist mir schleierhaft. Klar, so ein Präsident bietet alles, was es braucht, für eine gute Story: wallendes Haar, ein Ego, das alles plattwalzt und ein Mundwerk, an dessen Lockerheit man sich besser nie gewöhnen möchte. Man mag der Medienlandschaft zugute halten, dass sie divers ist. Ja. Und dass es verschiedene Beiträge zu verschiedenen Themen gibt und damit auch die Hungerkrise im Horn von Afrika gehört wird. Doch das getöse von Trump übertont alles. Und jeden.

Immerhin: Trump geht vorbei. Entweder nach vier oder acht Jahren. Oder wenn er des Amtes enthoben wird. Doch den Hunger kann man nicht nicht mehr wählen. Man kann ihn auch nicht des Amtes entheben. Man kann ihn wirkungsvoll bekämpfen. Aber nur, wenn er auch in der Weltöffentlichkeit stattfinden kann. Was dort nicht verhandelt wird, wird auch nicht bekämpft. Zynisch? Ja. Leider.


Eine kleine Ergänzung zum Bevölkerungswachstum: Das ist positiv, weil die Menschen immer älter werden. Denn die Geburtenrate sinkt – und damit pendelt sich langfristig auch die Zahl der Menschen ein. Hans Rosling hat das zu Lebzeiten äusserst unterhaltsam präsentiert:


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