Sie stehen im Coop oder in der Migros, bei Aldi, Lidl, Volg oder Spar in der Gemüseabteilung. Sie müssen einkaufen: Spargeln, Tomaten und Avocado’s. Vor ihnen offenbart sich die farbig-prächtige Pflanzenwelt und wartet darauf, von ihnen gekauft, bezahlt, gekocht und verschlungen zu werden.
Und Sie stellen wieder fest, dass es nicht nur eine Tomate, eine Avocado und eine Art von Spargeln in der Auslage hat. Wie werden Sie sich entscheiden? Kaufen Sie die Spargeln aus Peru oder jene aus der Schweiz? Fragen Sie sich hin und wieder, was jetzt für das Klima und Ihre Klimabilanz besser sein könnte? Sie sind nicht alleine. Auch ETH-Forscher haben sich im Auftrag vom WWF ähnliche Fragen gestellt. Sie haben insgesamt 25 Gemüse- und Früchtesorten aus den wichtigsten Importländern der Schweiz auf ihre Klimabilanz hin untersucht. Denn auch der WWF wollte wissen, ob regional und saisonal produziertes Gemüse und Obst für die Umwelt am besten abschneidet.
Die Antwort: es kommt darauf an. Denn entscheidend für die Klimabilanz von Früchten und Gemüsen ist nicht so sehr die Herkunft, sondern die Produktionsart und das Transportmittel. Mit Gas oder Erdöl beheizte Gewächshäuser und Flugtransporte schneiden durchwegs schlecht ab. Gemüse und Früchte hingegen, die in hocheffizienten Anlagen, beheizt mit erneuerbarer Energie und unter minimalem Einsatz von Wasser, Dünger und Pestiziden heranreifen, belasten das Klima deutlich weniger. Oft stammen diese Produkte nicht aus heimischer Produktion, sondern werden aus verschiedenen Herkunftsländern importiert. «Regional und saisonal ist somit nicht immer am klimafreundlichsten», erklärt dazu Damian Oettli, Leiter Konsum & Wirtschaft beim WWF Schweiz.
Und was heisst das jetzt für Ihren Einkaufsentscheid?
Kommt die Avocado aus Mexiko, verzichten sie am besten ganz darauf. Der globale Hype um die tolle Frucht sorgen dort nämlich für abgeholzte Regenwälder, verschmutztes Trinkwasser und massig Arbeit für die Behörden. Der Avocado-Anbau ist nämlich derart lukrativ geworden, dass er auch ohne die nötigen Lizenzen betrieben wird. Kommt die Avocado aus Spanien, ist das schon ein bisschen besser, aber auch nicht ganz frei von Problemen, wie der Beitrag von Arte zeigt.
Kommt der Spargel aus Europa, kann er getrost gekauft werden. Denn ein Kilo Grünspargel aus der Schweiz oder Deutschland belastet laut WWF das Klima umgerechnet mit knapp 1 Kilo CO2. Dieselbe Menge Grünspargel aus Spanien, mit dem Lastwagen transportiert, bringt es auf 1,5 Kilo CO2. Soweit also kein allzu grosser Unterschied. Kommt die Spargel aus Peru angeflogen, schlägt sie mit 15 Kilo CO2-Emmissionen zu buche. Es liegt auf der Hand, dass die peruanische Spargel nicht so gut ist – für das Klima.
Und was ist mit den Tomaten? Da ist es etwas komplizierter. Im Winter stammen auch die Schweizer Tomaten aus beheizten Gewächshäusern. Angenommen, die Schweizer Heizung wird mit Öl bzw. Gas betrieben, ist der CO2-Ausstoss für ein Kilo Tomaten im Mai 10 Mal höher als bei den sonnengereiften spanischen Tomaten. Erst wenn das Wetter auch in der Schweiz für Tomaten warm genug und die Heizung nicht mehr nötig ist, ist der Kauf empfehlenswert. Das ist ab Juni der Fall.
Alles klar?
Nein? Dann gibt es hier eine kleine Entscheidungshilfe:

Rein von der Co2 Bilanz her ist das alles korrekt. Doch das ewige wiederholen des Mantras dass Co2 das allesüberagende Problem sei, ist in sich fragwürdig.
Hallo Dirk,
richtig. Ist das dem Umstand geschuldet, dass man in der Forschung und für die Kommunikation nach aussen nach einer vergleichbaren Einheit sucht bzw. gesucht hat? Was wäre Ihrer Meinung nach eine bessere Art, die Umweltwirkung vom Lebensmittelkonsum zu beurteilen?