Der Klimastreik ist Geschichte – alleine in der Schweiz sind über 60’000 Menschen auf die Strasse gegangen und forderten mehr Klima- und Umweltschutz. Zu Recht?

Es war das Thema schlechthin: der Klimastreik. «Schweizer Jugendliche fordern im Klimaschutz Taten statt Worte», berichtete das Schweizer Fernsehen. Konkret soll das Pariser Klimaschutz-Abkommen umgesetzt und der nationale Klimanotstand ausgerufen werden. Die Zeit der Diskussionen sei vorbei, schrieb die Klimastreik-Bewegung in einer Mitteilung. Von einer politisierten Jugend ist die Rede – einer Jugend, die sich für den Planeten einsetzen will und nach Lösungen verlangt.

Wenig überraschend erhielten die protestierenden Schülerinnen und Schüler von links bis weit über die politische Mitte viel Unterstützung und Anerkennung. Von der politischen Rechten indes kam die Mahnung, beim Klimaschutz doch bitte bei sich selbst anzufangen, bevor auf der Strasse demonstriert wird.

Der Klimaschutz ist im Verständnis der politischen Rechten und der Liberalen in erster Linie Privatsache. Ob das stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass die Landwirtschaft von der liberalen Grundhaltung profitieren könnte. Denn nirgendwo sonst liegen das Problem und die Lösung so nahe beieinander. Zwar verursacht die Schweizer Landwirtschaft laut Bundesamt für Statistik rund 13 Prozent der Treibhausgasemissionen in der Schweiz; und ist damit weit hinter den Anteilen der Industrie (20 Prozent), des Verkehrs (ganze 31 Prozent) und der Haushalte (rund 18 Prozent, alle Zahlen für 2016); der Klimaschutz in der Landwirtschaft muss, wenn man diese Zahlen nimmt, nicht zwingend erste Priorität sein. Aber er kann erste Priorität sein.

Zum Beispiel beim Handel mit CO2-Zertifikaten haben Landwirte einen grossen Vorteil – im Durchschnitt etwa 27 Hektaren. So viel beträgt die durchschnittliche Fläche eines Schweizer Bauernhofes. Zwar sorgt die Bewirtschaftung des Bodens für Treibhausgasemissionen. Weil es aber keine Option ist, keine Nahrungsmittel zu produzieren, braucht es kreative Lösungen. Eine Möglichkeit, sowohl Nahrungsmittel zu produzieren, als auch etwas zum Klimaschutz beizutragen sind CO2-Zertifikate im Zusammenhang mit bestimmten Bewirtschaftungsformen.
Wie das Nationalfondsprojekt 68 Boden und Umwelt zeigte, können die Treibhausgasemissionen aus dem Boden gesenkt werden, wenn der Einsatz von Stickstoff sorgfältig erfolgt, wenn eine Fruchtfolge eingehalten wird, wenn Nitrifikationshemmstoffe eingesetzt werden, wenn die Bodenbearbeitung reduziert wird und wenn der Boden gekalkt wird. Zwar ist es schwierig, genau zu sagen, wie viel weniger Emissionen verursacht werden, wenn die Bodenbewirtschaftung angepasst wird – aber Effekte waren nachweisbar.

Gut, die Idee ist vielleicht halbgar, nicht umsetzbar und sorgt in der Summe nur für das, was man Rebound-Effekt nennt: Wer zum Beispiel ein emissionsarmes Auto hat, fährt mehr und sorgt unter dem Strich für gleich viel Emissionen wie jemand, der ein weniger emissionsarmes Auto nutzt. Allerdings dürfte es mit dem Klimaschutz wie im Management sein – dort zeigt sich, dass nicht die richtige Lösung für den Erfolg entscheidend ist, sondern überhaupt irgend eine Lösung. Wer sich nämlich bewegt, hat schon einen Vorteil. Stimmt die Richtung, kommt das Wachstum. Stimmt die Richtung nicht, kommt der Lerneffekt.

Und das macht deutlich, was der Klimaschutz eigentlich ist: eine gemeinsame Aufgabe, die alle etwas angehen muss. Die Politik ist nur ein Teil der Lösung – genauso wie die streikenden Jugendlichen oder die Landwirtschaft.

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