Margaret MacMillan ist Geschichtsprofessorin an der Universität von Toronto (Kanada) und hat vor zwei Jahren ein Buch mit dem unaufgeregten Titel „War – How conflict shaped us“ veröffentlicht. Aufgefallen ist mir das Buch im Bahnhof Bern in der Buchhandlung von Orell Füssli vor etwa zweienhalb Monaten. Es war ein typischer Spontanbücherkauf beim Warten auf den Anschlusszug, wie sie hin und wieder vorkommen.

Die Original-Fassung ist bis auf ganz wenige Tippfehler flüssig geschrieben. Weil die Autorin in den ersten drei Kapiteln anhand zahlreicher Beispiele aus verschiedenen Epochen das Zusammenspiel von Krieg, Gesellschaft und Menschheit, aber auch Gründe und Wege für Kriege beleuchtet, braucht der Einstieg in das Buch etwas Geduld.

Wer durchhält, wird im vierten Kapitel mit einer Übersicht über die Eigenschaften moderner Kriege belohnt und findet sich danach immer besser zurecht. Und wird irgendwann ernüchtert feststellen: in der langen Geschichte der Menschheit ist nichts von Bestand.

Krieg spielt dabei nicht nur eine Rolle für technische Innovationen, sondern auch für gesellschaftliche Entwicklungen. Die Einführung des Frauenstimmrechts etwa wurde durch ihren Einsatz an der Heimatfront während dem ersten Weltkrieg begünstigt.

Bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert war das undenkbar. Krieg wurde als eine Tätigkeit für Spezialisten – die Krieger*innen, die Soldaten*innen – betrachtet, die wiederum in aller Regel im Dienst von Fürsten und Königen standen und in erster Linie Territorialansprüche geltend machten bzw. durchzusetzen suchten.

Erst im 20. Jahrhundert wurden Kriege um der Nationalstaaten Willen geführt – also zur Verteidigung eines kollektiven Verständnisses einer nationalen Identität. Erst mit der Herausbildung von Nationalstaaten wurden Heere aufgestellt, die aus grossen Teilen der männlichen Bevölkerung bestanden. Kriege wurden zu Treiber für eine bewussten staatlichen Umgang mit der Gesundheit der Bevölkerung sowie dem Bedarf nach genauer Volkszählung. Ein Staat muss schliesslich wissen, auf wie viele Männer im Wehrfähigen Alter er zurückgreifen kann, wenn es denn sein muss.

Mit dem Hausbilden grösserer Truppen, der Entwicklung immer neuer, immer tödlicherer Waffen einher ging der der Versuch, Krieg auf internationaler Ebene zu regulieren. Bis zum Ausbruch eines Konflikts hat das immer recht gut funktioniert, aber in Konflikten halten sich selbst die unterzeichnenden Staaten nicht immer an die Resolutionen und Verträge (Die USA etwa ist bezüglich der Gefangenen in Guantanamo der Ansicht, dass es sich nicht um Kriegsgefangene, sondern um Terroristen handelt. Der Unterschied hat zur Folge, dass sie ohne Prozess festgehalten werden und nicht als Kriegsgefangene eine etwas bessere Behandlung erhalten).

Das Buch zeigt, wie sich Konflikte verändert haben. Die Autorin macht das auf nüchterne und verständliche zuweilen kühle und doch manchmal auch humorvolle Art und Weise. Sie zeigt, wie immer leistungsfähigere Waffen immer mehr Menschen töten könn(t)en, dass Konflikte dazu gehören und das bisherige Bestrebungen zur Beendigung aller Kriege mehr oder weniger erfolglos blieben. Die Gründe sind erschreckend und einfach zugleich: einer friedlichen, verhandlungsbasierten Lösung wird nicht getraut. Der Einsatz von Waffen als nützliches Mittel zur Durchsetzung der eigenen Interessen erachtet.

Wer Antworten sucht für den Ukraine-Konflikt, dem kann dieses Buch alleine nicht helfen. Wer wissen will, was Kriege sind, wie sie sich entwickelt haben und nicht die grossen Klassiker (insbesondere Sun Tsu und Clausewitz) lesen möchte, dem sei diesesm Buch empfohlen.

Hier gehts zum Buch in Deutscher Sprache.

Und hier gehts zum Buch in Englischer Sprache.

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